Triathletin aus Leidenschaft

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Veröffentlicht Montag, 17. Juli 2017, 18:52 Uhr

Ganze fünf Jahre hat es gedauert, bis ich da bin, wo ich hinwollte. Wie war das mit dem Thema „Geduld haben“?

Wer jetzt auf einen Wettkampfbericht gewartet hat, den muss ich leider enttäuschen. Viel mehr will ich beschreiben, wie es mir davor ergangen ist, denn das war auch für mich das interessanteste an dem Vorhaben „Ironman“.
Fangen wir also mal Ende 2012 an, als ich kaum ohne Schmerzen auch nur gehen konnte und das Thema Ironman in schier unerreichbarer Ferne lag.
Selbst auf meinem so geliebten Rad fuhr immer der Knieschmerz mit. Besonders hart war meine Situation zu diesem Zeitpunkt, da ich durch meinen Mann Gregor und meinen Job immer von austrainierten und extrem fitten Triathlonprofis umgeben war. Anfangs wollte ich es selbst nicht wahrhaben, dass meine Lage wirklich extrem desolat war und ich ging 2013 auch unter großen Schmerzen beim Ironman 70.3 in Wiesbaden an den Start, den ich (welch ein Wunder) nicht beenden konnte. Danach war es lange nicht sicher, ob es mit dem Laufen überhaupt nochmal was werden sollte, denn ich hatte den Bogen (bzw. genaugenommen den Tractus iliotibialis) absolut überspannt.
Ab dann habe ich mich irgendwie mit der Situation arrangiert und mein Fokus war es, Gregor bei seiner Profi-Karriere optimal zu unterstützen. Ich reiste also mit ihm sofern mir es jobtechnisch möglich war mehr oder weniger um die Welt und trainierte in seinen Trainingsgruppen mit. Ich fuhr in dieser Zeit sehr viel Rad, denn das war irgendwann wieder ohne größere Probleme möglich. So kam ich z.B. 2014 auf über 13000 Kilometer, die ich größtenteils mit sehr erfolgreichen Triathleten fahren durfte.
Meinen bis Tag X morgendlichen Auftaktlauf ersetze ich durch ein morgendliches Schwimmen. Egal ob Athleten wie ein Steffen Justus oder Mario Mola oder Trainer wie Dan Lorang oder Joel Filliol: alle mussten meist grinsen, wenn ich als erste im Wasser war.
Des Öfteren wurde ich nach meiner Motivation für das alles gefragt, da es auch bis dato keine Möglichkeit für Wettkämpfe gab, ich aber (bis auf das Laufen) sehr viel mit Weltklasseathleten trainierte. Von Ihnen allen lernte ich immens viel.
Die jahrelange Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt, denn insgeheim hatte ich immer daran geglaubt, irgendwann bei einem Ironman am Start zu stehen. Und wenn es erst im Alter von 50 Jahren gewesen wäre.

So, nun wieder ins Jahr 2017 zurück und hinein in die erste Juliwoche.
Die Woche vor dem Tag X war wie Urlaub. Ich habe bereits Donnerstag und Freitag nicht gearbeitet und Montag-Mittwoch schon wenig trainiert. Dementsprechend war es eine total ruhige Woche. Das Wetter war super und ich fast mies drauf, weil ich mich zusammenreißen musste nicht zu lange Rad zu fahren. Gutes Wetter und Zeit, das heißt im Normalfall lange Radtour!
Die „Strategie“,(wenn man das so nennen kann) war aber mit den Umfängen zurückzufahren, allerdings trotzdem in meinem „normalen“ Rhythmus zu bleiben, den ich gewohnt bin.
So verbrachte ich in der Race-week noch 10km im Wasser, 100km auf dem Rad und 20km zu Fuß, ehe es am 09. Juli auf die Strecke ging. Da muss ich auch Gregor danken, der mich darin bestärkte, im Vorfeld nicht zu wenig zu machen.
Da ich schon seit meiner Kindheit Wettkämpfe jeglicher Art bestreite, bin ich vor Wettkämpfen eigentlich nicht sonderlich nervös. Klar, eine gewisse Grundspannung ist meist am morgen eines Wettkampfs da, was bei mir aber noch nie dazu führte, dass ich alle fünf Minuten auf Toilette renne oder Herzklopfen etc habe. Eigentlich!
Diesmal war es anders. Samstag stieg die Aufregung merklich an, was ich erst aber nicht richtig zuordnen konnte. Schließlich musste ich mir aber eingestehen, dass dies die Vorwettkampf-Nervosität war. Man sagt sich zwar, bleib locker und entspann dich, denn es geht ja um nichts, dennoch war ich so aufgeregt wie schon lange nicht mehr.
Glücklicherweise hindert mich diese besondere Gefühlslage nicht daran, sowohl am Tag vor dem Rennen, wie auch am Wettkampfmorgen ordentlich zu essen und auch in den Tagen zuvor die Speicher gut zu füllen. Ich denke im Nachhinein auch, dass mir das mitunter so gut durch den Wettkampf geholfen hat. Wer gesehen hätte, was ich morgens um 4 Uhr essen kann, der wäre vom Glauben abgefallen.
Das war jedoch auch meine größte Angst, die ich hatte im Wettkampf keine Energie mehr zu haben. Man hört ja im Vorhinein so einiges zum Thema Ernährung und liest den ein- oder anderen Bericht über Wanderungen auf dem Marathon von Dixie zu Dixie. Ich bin froh, dass mir das erspart geblieben ist, so konnte ich den Tag voll und ganz genießen.
Irgendwelche Rechenexempel zu starten, wann ich genau wie viele Gramm Kohlenhydrate zu mir nehmen muss hatte ich keine Lust. Diese Unlust, so etwas auszurechen, nach Wattzahlen auf dem Rad zu fahren etc. zieht sich bei mir auch generell durch. Viel schöner ist es doch nach Gefühl zu gehen. Dieses „Gefühl“ sollte ich doch auch allein schon durch meinen Beruf mitbringen.
Mittlerweile habe ich dieses nötige Gefühl auch für mich und meinen Körper bekommen. Genau diese entscheidende Fähigkeit hatte ich vor fünf Jahren noch nicht! 

Daher habe ich auch keinen Trainingsplan, Coach oder sonstiges spezielles Equipment. Ich vertraue voll und ganz auf das Gefühl der Eva Buchholz :-) 

Tja, der Renntag verlief dann relativ unspektakulär. Ich spulte alle Disziplinen nacheinander ab und freute mich vielmehr über die vielen Freunde und Bekannten auf der Strecke, die diesen Tag zu etwas ganz besonderem gemacht haben. Ich danke euch ALLEN (!!!) von Herzen, denn ihr habt einen wesentlichen Beitrag zu diesem Ergebnis geleistet und mich quasi über die Strecke getragen.
Was ich im Vorfeld an Anrufen, Mails oder sogar Postkarten (Stichwort Oskar ;-) ) bekommen habe hat Flügel verliehen - so ganz ohne Red Bull ;-)

Darauf bin ich stolz, dass ich nun diese kleine „Erfolgsgeschichte“ erzählen kann.
Dass ich letztendlich auch noch unter 10 Stunden (9:42:15h) ins Ziel komme, damit 14. Frau overall werde und meine Altersklasse gewinne war nur Zugabe.
Das Ticket nach Hawaii wurde damit gelöst und so werde ich im Oktober sogar noch einen zweiten Ironman in diesem Jahr machen. Wer hätte das gedacht?
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